Verkaterter Konzern? Greene King Aktie

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Langweilige, wettbewerbsreiche, wenig wachsende Pub und Brauereibranche? Ja in einer solchen agiert der britische Dividendenliebling Greene King. Die Greene King Aktie wurde ab August 2017, wegen sinkenden Umsätzen und verhaltenen Prognosen, stark abgestraft. Trotzdem ist Greene King hinter den Kulissen ein sehr interessantes substanzstarkes Unternehmen, das den britischen Pubmarkt dominiert…

Ich halte derzeit Greene King Aktien, versuche aber trotzdem möglichst neutral den folgenden Artikel zu schreiben und zu erklären warum ich zuversichtlich für die Zukunft von Greene King bin.
(Die Bilder sind Verweisungen auf die Investor Relations von Greene King)

 

Das Fass ohne Boden?

GK operiert bereits seit 1799 ausschließlich in Großbritannien und betreibt dort über 3000 Pubs, Restaurants und Hotels. Die Greene King Aktie fiel dieses Jahr bereits von 8 € auf nun 6 €, aufgrund enttäuschender Quartals/Jahresberichte. Dabei sank der Gewinn pro Aktie um 8,3 % auf 33 pence (0,37 €) pro Aktie, sowie der Umsatz um 1,2 % auf 1,031 Milliarden £ und der Aktienkurs gab auf Jahressicht um 30,5 % nach. (Zahlen sind der Vergleich vom 1. Halbjahr 2017 zum 1. Halbjahr 2018. Das Geschäftsjahr beginnt bei GK immer bereits Mitte des Jahres.)
Unglücklich war auch die Erklärung dafür von dem CEO Rooney Anand. Dieser stempelte den Umsatzverlust als Ergebnis „schlechten Wetters“ ab. Keine Aussage die man als Aktionär gerne hört…

Zudem sieht sich GK derzeit mit enormem Gegenwind konfrontiert. Steigender Mindestlohn, Inflation, Brexit, wovon GK nicht ganz so unabhängig ist wie viele denken (unten dazu mehr), Abwärtstrend der Pubbranche und starker Wettbewerb. Man rechnet mit zwei bis drei harten Jahren.

 

 

Gastronomie wachsend, Pubs mit Kater

Um sich ein genaueres Bild von GK zu machen sollte man sich die einzelnen Sparten ansehen, wo sich die Zahlen stark unterscheiden. Über die Jahre hat sich Greene King in den kompletten Gastronomie-Bereich diversifiziert. (Zahlen Vergleich vom 1. Halbjahr 2017 zum 1. Halbjahr 2018.)

• Pub Company 855.9 Mil. £ 837.0 Mil. £ -2.2%
• Pub Partners 93.6 Mil. £ 92.1 Mil. £ -1.6%
• Brewing & Brands 94.8m Mil. £ 102.3 Mil. £ +7.9%

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Der Trend weg von Pubs hin zu „normalen“ Gaststätten lässt sich hier relativ gut ablesen. Während Pubs schwach abschneiden, erreicht man bei Brewing & Brand ein starkes Outperforming des Marktes.

 

Sparen beim Bier, investieren ins Essen

Gegen die negativen Entwicklungen stemmt man sich mit Einsparungen bzw. Optimierungen in allen Bereichen, sowie dem Schließen von wenig lukrativen Firmensitzen. Zudem will man von der Spirit Übernahme (siehe unten) mit Synergien profitieren.
Man erwartet ebenso fallende Getränke – Umsätze und will vor allem von steigendem Imbiss – Umsätzen profitieren.

2015 hat man die Spirit Gruppe übernommen mit dem Statement „Spirit is a transformative oppurtunity for Greene King“. Die Übernahme ist meines Erachtens die beste Entscheidung gewesen die man hätte treffen können. Damit kann sich GK besser diversifizieren und ist besser für die Zukunft gerüstet. Man kaufte sich damit größere Marktmacht, vielversprechende Chef & Brewer Pubs und ca. 800 Mil. £ Umsatz hinzu. Leider drückten dieses Jahr und auch die nächsten Jahren, Sondereffekte der Übernahme auf die Bilanz.
Aber um die nachhaltige Dividende sicherzustellen war eine derartige Übernahme notwendig. So stieg die Dividende der Greene King Aktie seit 1951 bis 2017 um durchschnittlich jedes Jahr um 8,6 %.

 

 

Die Substanz in dem Uhrgestein

Greene King ist meines Erachtens derzeit recht günstig bewertet und das hat u. a. folgende Gründe:

• Buchwert von ca. 6,25 £ pro Aktie, also derzeit 7,09 € pro Aktie
• Kurs Gewinn Verhältnis von etwa 10-13, wobei der Gewinn weiterhin negativ von der Spirit Übernahme beeinflusst wird
• Gut gedeckte Dividende und derzeitige voraussichtliche Dividendenrendite von knapp über 6 % (von der Greene King Aktie erhält man Halbjährlich eine Ausschüttung. Im September, die Größere und im Januar die recht Kleine)
• 82 % der genutzten Immobilien von Greene King sind entweder Eigentum oder langfristig angemietet. Da es sich teilweise um Immobilien in bester Lage, wie in Mittelpunkt in London handelt, kann es ein deutlicher Wettbewerbsvorteil sein. So wird in guten Spots deutlich mehr für Trinken und Essen bezahlt als anderswo, was die Gewinnmarge steigen lässt.
• Weiterhin erzielt man einen positiven Cashflow, der zwar derzeit mit 10,6 £ Mil. etwas dürftig ist, aber Anlass gibt zu glauben, dass Greene King deutlich profitabler arbeitet als die direkte Konkurrenz. Marstons (direkter britischer Konkurrent von GK) erzielte 2016 und 2017 deutlich negative Cashflows.

Das sind einige der Gründe warum ich an eine vorrübergehende Schwäche der Bilanzen von Greene King glaube. Die Belastungen der Spirit Übernahme werden nach und nach verschwinden und in nachhaltige Geschäftsvorteile übergehen.
Im Jahr 2018 kann man zudem auf einen Rückenwind der Fußball-WM hoffen, was gewöhnlich mehr Menschen in die Pubs und Gastronomie treibt.

 

Der Brexit das Salz im Bier?

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Oft hört man, da GK ausschließlich in Großbritannien agiert, sei es völlig unabhängig vom Brexit. Das stimmt so nicht. Da man mit dem Kauf der Greene King Aktien in € bzw. $ gleichzeitig auf den britischen Pfund wettet, ist man als GK Aktionär durchaus mit den Folgen des Brexits konfrontiert. Steigt der britische Pfund so steigt auch „unser“ Aktienkurs in €. Andersherum sinkt der britische Pfund so sinkt auch der Aktienkurs bei uns.

Ebenso bezieht man weiterhin die Dividende in britischen Pfund, was bei schwachen Wechselkursen für viele ausländische Aktionäre schnell unattraktiv werden kann.
Auch spielt der kleinere Tourismus und mögliche Bevölkerungsabwanderung eine große Rolle im Falle eines harten Brexits.
So gilt es auch als Greene King Aktionär zu hoffen, dass eine anständige Vereinbarung für Großbritannien getroffen wird. Sollte dies geschehen ist auch mit wieder steigenden britischen Pfundkursen zu rechnen und so mit Währungsgewinnen unsererseits.

 

Fazit Greene King Aktie

GK agiert in einer langweiligen Branche der heutzutage sehr wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Dazu kommt noch die Unsicherheit des Brexit Abkommens.
Ich bin aber der Überzeugung, dass in der Greene King Aktie Potential steckt.

Man agiert nachhaltig und man stellt sich mit allen Möglichkeiten den Gegenwind entgegen. Auch wird man den Ruf als zuverlässiger Dividendenzahler nicht ohne weiteres abgeben.
Meines Erachtens ist die GK Aktie derzeit vor allem für Leute etwas, die nicht viel Aufregung in beide Richtungen wollen. Ein relativ geringes Risiko trifft eine geringe Chance

 

Disclaimer: Alle Texte stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Sie wurden vom Verfasser aus öffentlich zugänglichen Quellen recherchiert und mit der eigenen Meinung des Verfassers ergänzt. Alle zur Verfügung gestellten Informationen dienen allein der privaten Information und der privaten Unterhaltung. Eine Haftung für die Richtigkeit kann nicht übernommen werden. Sollten die Besucher dieser Seite sich die Inhalte zu eigen machen oder Ratschlägen folgen, so handeln sie eigenverantwortlich und mit eigenem Risiko.

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