Der Mythos Cost Average Effekt

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So umstritten wie der Cost Average Effekt ist nur sehr wenig in der Finanzwelt. Einige Banken bewerben ihr Wertpapiersparen genau mit diesen drei Worten. Man suggeriert schon fast das Allheilmittel schlechthin für eine sichere Geldanlage. Dagegen sprechen einige Berichte, die den Cost Average Effekt als schlicht nicht existent und als Werbelüge bezeichnen. Im Folgenden Artikel gehe ich den ganzen auf den Grund.

 

Der Cost Average Effekt Allgemein

Der auf Deutsch Durchschnittskosteneffekt entsteht bei einer regelmäßigen Anlage in das gleiche Wertpapier. Vor allem da sich aufgrund der derzeitigen Nullzinsphase Sparpläne immer größerer Beliebtheit erfreuen, sollte man sich mit ihm Auseinandersetzen. So werden Sparpläne meist so konfiguriert, dass monatlich das Wertpapier X / Aktie Y für Summe Z gekauft wird.

Durch das Kaufen zu immer wieder dem gleichen Zeitpunkt erhält man auf einen längeren Zeitraum betrachtet, den durchschnittlichen Einstandskurs zu den gehandelten Zeitpunkten.

Beispiel: Gehen wir davon aus, dass man 12 Monate einen Sparplan auf Aktie Y ausführt und immer am ersten des Monats kauft. Wenn der Kurs der Aktie Y sich theoretisch 6 Monate durchgehend auf 10 € befindet und die weiteren 6 Monate auf 20 €, erhält man durch den regelmäßigen Kauf einen durchschnittlichen Einstandskurs von 15 €. Deshalb wird er Cost Average Effekt also Durchschnittskosteneffekt genannt.

 

Cost Average Effekt Vorteile

Der Vorteil von dem Effekt ist, dass man immer einen festen Betrag einzahlt. Dies bedeutet, dass wenn der Kurs gesunken ist automatisch mehr Anteile erworben werden. Ist der Kurs dagegen gestiegen, erhält man weniger Anteile für die eingezahlte Summe Z. Man schaltet also komplett das Market Timing, also den richtigen Investmentzeitpunkt aus und gibt sich mit einem durchschnittlichen Kurs zufrieden.

Dazu kommt der psychologische Vorteil. Durch die Strategie regelmäßig den gleichen Betrag anzulegen, braucht man sich keine Gedanken machen, ob das Wertpapier gerade sinkt oder steigt. Dies ist vorerst kurzfristig schlicht egal, da Kursgewinne/verluste stetig durch die neue Einzahlung verwässert werden. Durch diese Tatsache sinkt laut vielen Kritikern auch die Helmschwelle der Geldanlage. Deswegen werben wohl auch Banken damit.

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Nun stellt sich die Frage, ob der Durchschnittskosteneffekt im Gegensatz zur Eimalinvestition tatsächlich eine höhere Rendite bringt.

 

Cost Average Effekt Beispiel

Nehmen wir an man besparte 2017 zum ersten des Monats den ETF X zum DAX mit jeweils 100 €.Der ETF X weist einen Kurs von 100 € aus wenn der Kurs des DAX bei 10 000 Zählern liegt und reagiert 1 zu 1 auf Veränderungen des abzubildenden Indexes. So ergibt sich folgende Tabelle:

 

MonatDAX KursETF X KursRendite zum VormonatJeweils gekaufte Anteile für 100 €
Januar11481114,81 €0,5%0,871
Februar11535115,36 €2,6%0,867
März11834118,34 €4,0%0,845
April12312123,12 €1,0%0,812
Mai12438124,38 €1,4%0,804
Juni12615126,15 €-2,3%0,793
Juli12325123,25 €-1,7%0,811
August12118121,18 €-0,5%0,825
September12055120,55 €6,4%0,830
Oktober12828128,28 €3,1%0,780
November13229132,29 €-1,6%0,756
Dezember13024130,24 €-0,8%0,768

 

So hätte man 2017 insgesamt 9,762 Anteile erworben. Diese wären Jahresschlusskurs von 12918 Zählern 1261,06 € wert. Bei den investierten 1200 € hätte sich eine Rendite von 4,84 % (abzüglich ETF und Sparplan-Gebühren) ergeben.

 

Vergleich Einmalinvestition

Hätte man zum Jahresanfangskurs von 11481 Zählern sofort die 1200 € in den ETF eingezahlt, hätte man 10,45 Anteile erworben. Diese wären zum Jahresschlusskurs 1350,20 wert, was einer Rendite von 12,5 % (abzüglich Gebühren) entspricht.

 

Auswertung Vergleich

Dieser Vergleich eines willkürlichen Zeitraums ist zwar nicht repräsentativ und kommt enorm auf den Start und Endzeitraum an, zeigt aber deutlich, dass der Cost Average Effekt bei durchschnittlich steigenden Kursen schlecht abschneidet im Gegensatz zur Einmalinvestition.

Relativ gut schneidet er hingegen in Krisenjahren, wie 2008 ab. In 2008 wäre die Rendite auf Jahressicht zwar ebenfalls negativ, doch im Gegensatz zur Einmalinvestition lange nicht so stark. Damals begann der DAX im Januar bei rund 8000 Punkten und verlor nahezu jeden Monat weiter auf den Jahresendkurs von ca. 4800 Zählern.

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Die Theorie des Zeitraumeffekts

Das Problem beim Zeitraum ist, dass die monatliche Investition im Normallfall eine immer kleiner werdende Relevanz einnimmt. Bespart man beispielsweise einen ETF bereits seit 5 Jahren mit gleichbleibender Summe, spielen die erneuten monatlichen Investitionen eine zunehmend kleinere Rolle zur Gesamtposition. So wird der Durchschnittskosteneffekt mittelfristig nahezu sowieso zur Einmalinvestition.

Betrachtet man nun einen längeren Zeitraum, kommt man im Endeffekt auf das gleiche Ergebnis. Allein die Tatsache, dass sich die Wirtschaft langfristig verbessert bzw. die Inflation Geld entwertet, sorgt dafür, dass auch die Indizien über die letzten 100 Jahre anstiegen. So hätte eine Einmalinvestition auch über einen längeren Zeitraum nahezu immer besser abgeschnitten als das regelmäßige besparen.

 

Die Praxis Theorie – Monatlich kaufen oder Ansparen

Klar hat man durch das regelmäßige Besparen nicht die Notwendigkeit, einen großen Batzen Geld sofort investieren zu müssen. Man kann beispielsweise unkompliziert jeden Monat von seinen Einkünften einen bestimmten Teil einzahlen.

Aber was wäre, wenn man die Summe monatlich bei Seite legt und erst bei größeren angesparten Summen eine Einmalinvestition durchführt?

Hat man noch kein Kapital vorhanden, spricht im Endeffekt nichts dagegen sein Geld regelmäßig anzulegen und den zumindest kurzfristigen Durchschnittskosteneffekt auszunutzen. Ich würde dabei aber nicht immer das komplette Kapital in den oder die Sparpläne einzahlen. So würde ich eher einen kleinen Anteil liquide auf den Konto behalten, um bei starken Marktkorrekturen manuell eine Einmalinvestition durchzuführen.

Hätte man bereits genug Geld für eine Einmalinvestition angespart(unter 1000 € macht eine Einmalinvestition wenig Sinn), spielt logischerweise der jeweilige Kaufzeitpunkt eine große Rolle. So würde man zweifellos mit der Einmalinvestition hervorragend abschneiden, wenn diese bei Marktkorrekturen durchgeführt werden. Doch wann sollte bei einem Marktrücksetzer eingekauft werden? Diese Frage kann man wohl nicht eindeutig beantworten. Ich halte es aber für sinnvoll, wenn man sich weitere Regeln setzt. Z. B. bei Rücksetzern von größer X % jeweils eine weitere Einmalinvestition innerhalb einer bestimmten Zeit durchführt.

 

 

Die Cost Average Effekt Lüge

Banken werben häufig damit, dass man von dem Effekt uneingeschränkt stark profitieren kann. Dies ist aber nur in bestimmten, eher seltenen Situationen der Fall. Im Gegensatz zur Einmalinvestition schnitt man meist nur in Krisenjahren besser ab. In Aufschwungsjahren erzielte man durchgehend schwächere Renditen.

Der Vorteil des Effekts ist also weniger aus Renditesicht zu begründen, als durch psychologischer Sicht. So ist es doch deutlich angenehmer zu behaupten, „Mir ist egal wie der Markt sich bewegt, ich kaufe so oder so nach. alsWenn der Markt einbricht ist mein Geld weg.

Der Durchschnittskosteneffekt daher durchaus hinterfragt werden. Rechnet man mit einer hohen Crashwahrscheinlichkeit in nächster Zeit, ist es vielleicht sinnvoll eine Investition per Cost Average Verfahren durchzuführen. Rechnet man dagegen von einer einigermaßen stabilen Aufschwungphase, macht die Anlage mit diesem Verfahren weniger Sinn und es sei zur Einmalinvestition geraten.

 

Disclaimer: Alle Texte stellen keine Anlageberatung oder Empfehlung dar. Sie wurden vom Verfasser aus öffentlich zugänglichen Quellen recherchiert und mit der eigenen Meinung des Verfassers ergänzt. Alle zur Verfügung gestellten Informationen dienen allein der privaten Information und der privaten Unterhaltung. Eine Haftung für die Richtigkeit kann nicht übernommen werden. Sollten die Besucher dieser Seite sich die Inhalte zu eigen machen oder Ratschlägen folgen, so handeln sie eigenverantwortlich und mit eigenem Risiko.

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