Teva Aktie die richtige Anlagemedizin für Buffett?

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Am 15. Februar hat Berkshire Hathaway 1,8 % an Teva erworben. Für mich Grund genug den israelischen Pharmakonzern und damit die Teva Aktie genauer anzusehen. Allgemein halte ich das Investment von Berkshire für etwas ungewöhnlich, da Teva in den letzten Jahren mit enormem Gegenwind zu kämpfen hat. Umso spannender sich das Ganze mal genauer anzusehen.

 

Ich halte bis dato keine Teva Aktie

Teva logo.svg

 

Der Geschäftsweg von Teva

Der bereits 1901 gegründete Teva Konzern ist einer der führenden Generikaherstellern, unterhält über 55000 Mitarbeiter und ist einer der größten Pharmakonzerne. In Deutschland vertreibt man u. a. Produkte unter der Marke Ratiopharm. Über die Jahre erwarb man diverse Konzerne. Darunter auch riesige Übernahmen, wie 2015 die von Allergan für über 40,5 Milliarden $. Interessant dabei ist, dass die Teva Aktie eine derzeitige Market Cap von nur 28 Milliarden $ aufweist.

 

Massiver Gegenwind und Managementfehler

Grund für das zusammenschrumpfen des Kurses war 2017 das Bekanntwerden von diversen Problemen. Neben kritisierten Übernahmen, die Investoren als zu teuer abstraften, musste man sich einen starken Wettbewerb, vor allem im Generikasegment in den USA stellen. So hat man 2017 einen Jahresverlust von über 16 Milliarden $ ausgewiesen.

Man will gegen den Preisdruck mit Maßnahmen vorgehen, die anscheinend bei den Aktionären nicht gut angekommen sind. So wurde dem Konzern eine strenge Schlankheitskur auferlegt. Man will massiv Personal abbauen. Über 14 000 Mitarbeiter sollen entlassen werden, was eine Reduzierung der Belegschaft um über 25 % bedeutet. Unten dazu noch mehr.

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Teva Aktie zu billig für Berkshire?

Zu den Teva Investor Relations: http://ir.tevapharm.com/phoenix.zhtml?c=73925&p=irol-presentations

Bei Teva sollte man aktuell sowohl die GAAP Bilanzierung, als auch die Non-GAAP im Blick behalten. Die Non- GAAP Zahlen sind nicht von außergewöhnlichen Ereignissen, wie Übernahmen oder Klagen beinflusst.

 

Aktuell notiert man bei einem Kurs von 17 € bei einer Markkapitalisierung von ca. 28 Milliarden $.

  • 22,4 Milliarden Umsatz
  • 2017 Verlust von 16,26 Milliarden $ (GAAP) nach non GAAP Bilanzierung aber einen 4,3 Milliarden $ Gewinn
  • Schrumpfen des freien Cash Flows von 4,4 (2016) auf 2,7 Milliarden $(2017). Man erwartet, dass er 2018 etwa auf 2017er Level bleiben soll.
  • Weiterer Anstieg von langfristigen Schulden bis 2020 erwartet. Ab 2021 massiver Abbau dieser.
  • Gewinn pro Aktie 2018 2,25 – 2,50 $erwartet nach 4 $ zuvor. (Non-GAAP)

Wird die Prognose erfüllt, wäre die Aktie aktuell tatsächlich sehr günstig. Ein theoretisches KGV von aktuell unter 10 wäre die Folge, selbst wenn man von der unteren Prognosengrenze ausgeht. Man aber trotzdem von weiter sinkenden Gewinnen und Umsätzen aus. 2018 kann man davon ausgehen, dass ein Übergangsjahr für Teva wird. Die Personalreduzierung und die Sparmaßnahmen werden nicht sofort greifen und erst einmal Kosten verursachen. Ebenso ist es fraglich, ob der stark negative Umsatztrend in den USA umgekehrt werden kann. Anscheinend geht man bei Berkshire davon aus, dass dies funktionieren wird. Die Teva Aktie scheint ein guter Turnaroundkanditat zu sein.

 

 

Die Sparmaßnahmen für eine starke Zukunft

  • Bis auf weiteres Aussetzung der Dividende
  • Neue Organisationsstrukturen und Verschiebung von Arbeitsplätzen nach Indien und China, da dort günstiger produziert werden kann.
  • Belegschaft um 14000 Stellen reduzieren. Dies soll bis Ende des 2. Quartals abgeschlossen sein.
  • Veräußerung oder Schließung von 12 Produktionsstätten.
  • Einstellung von unrentablen Produkten
  • Return on Investment Überprüfung von Geschäftsfeldern.

Diese sollen bis Ende 2019 zu einem schlankeren und deutlich profitableren Teva führen. Bis Ende 2019 sollen so 3 Milliarden $ eingespart werden können. Wenn man bedenkt, dass 3 Milliarden $ derzeit bereits über 10 % der Market Cap der Teva Aktie entsprechen, erscheint mir dies als gutes Ziel.

Teva Quartier in Markham (Ontario)

 

Wachstum in Spezialbereichen

Um nachhaltig auch neben den Einsparungen zu wachsen, will man vor allem in seine Spezialbereichen wachsen. Diese sind:

  1. AUSTEDO – Medikament gegen Bewegungsstörungen u. a. gegen Tourette
  2. Fremanezumab – Medikament für Migräne
  3. Fasinumab – Schmerzmittel

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Neben dem starken Umsatzrückgang in den USA ist ein leicht positiver Umsatztrend in den Ländern außerhalb den USA festzustellen.

 

Buffetts Investment?

Für viele scheint das Berkshire Investment gleichzeitig ein Kauf von Buffett höchstpersönlich zu sein. Ich glaube eher nicht daran. Teva hat keinen gut funktionierenden Burggraben und sieht sich harten Wettbewerb gegenüber.

Interessant ist aber ob eine Sicherheitsmarge gegeben ist: Man hat eine Bilanzsumme von 70,6 Milliarden $ bei einer Market Cap von nur ca. 28 Milliarden $. Diese beinhaltet Gesamtschulden von 32,5 Milliarden $. Man ist also stark gehebelt, was man, wie oben bereits erwähnt, ab 2021 abbauen möchte. Die Aktiva Seite wird hauptsächlich von dem Goodwill über 28 Milliarden $ und weite immaterielle Vermögenswerte (u. a. Patente) von 17,6 Milliarden $ bestimmt.

Wenn man davon ausgeht, dass der aktuelle Goodwill den tatsächlichen Wert der übernommenen Unternehmen entspricht, würde man so tatsächlich auf eine ordentliche Sicherheitsmarge, bei aktueller Market Cap der Teva Aktie kommen.

„Investitionen basieren auf Schätzungen und Unsicherheiten. Ein breiter Sicherheitsspielraum stellt sicher, dass die Auswirkungen guter Entscheidungen nicht durch Fehler ausgelöscht werden.“ Warren Buffett

Offensichtlich sieht man bei Berkshire in der Teva Aktie einen Sicherheitsspielraum. Es wäre aber nahe liegend, dass nicht Buffett sondern Ted Weschler den Deal mit Teva eingefädelt hat. So hat dieser auch den Deal mit DaVita abgeschlossen und von Buffett das nötige Kapital zur Verfügung gestellt bekommen. Die relativ kleine Position von nur 1,8 % lässt es noch wahrscheinlicher erscheinen.

 

Achtung ADR – Wieder einmal bleibt uns, ähnlich wie bei Gazprom, leider nichts anderes übrig als ADR-Aktien zu handeln.

 

 

Teva Aktie Fazit

Wieder einmal investierte Berkshire absolut gegen den Trend in einen Pharmakonzern mit massiven Geschäftsproblemen. Die Teva Aktie wird aktuell als klarer Turnaround Kandidat gehandelt.

Mit dem Schreiben dieses Artikels gefiel mir die Teva Aktie immer besser und ich werde bei erneuten Rückgängen vermutlich eine Position aufbauen. Durch die aktuellen Börsenkorrekturen rechne ich mit einem guten Einstiegszeitpunkt um die 15 €.

Die Aktie selbst erscheint mir für einen derartigen Preis relativ günstig und ich meine zu verstehen, warum Berkshire investiert hat…

 

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Bernard Rieux
Gast
Bernard Rieux

“Maßnahmen vorgehen, die anscheinend bei den Aktionären nicht gut angekommen sind. So wurde dem Konzern eine strenge Schlankheitskur auferlegt.”
Das ist so nicht richtig, der Kurs viel weil lange kein handlungsfähiges Management da war. Mit der Benennung von Kåre Schulz zum CEO und seinen Sparplänen hat sich der Kurs bereits um 40% erholt.

Stocki
Gast
Stocki

Gute Analyse. Bin auch schon länger dabei und ging mit Teva durch die Höhen und jetzt Tiefen. Gut, dass Teva durch Berkshire jetzt die verdiente Aufmerksamkeit bekommt

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