Aktienrückkauf sinnvoll oder Verschwendung

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Das Thema Aktienrückkauf ist in der Finanzwelt ähnlich umstritten als die Existenz von effizienten Märkten. Manche behaupten Aktienrückkäufe sind reine Geldinstrumente für das Management oder nur kurzfristige Stützen für den Kurs. Andere hingegen sehen einen nachhaltigen Sinn weit über das eigentliche Aktienrückkaufprogramm hinaus. Im Folgenden die Thesen von einigen Meinungsmachern und ob schlussendlich ein Aktienrückkauf sinnvoll oder Verschwendung von Kapital ist.

Funktion von einem Aktienrückkauf

Um Aktionäre am Unternehmenserfolg zu beteiligen, gibt es neben Dividenden, Aktienrückkäufe die den Kurs nachhaltig steigern sollen. Die kursbasierten Kennzahlen, wie KGV KBV KCV, verbessern sich durch derartige Programme.

Beispiel: Von Unternehmen X sind 10.000 Aktien im Umlauf zum Preis von 10 €. Folglich hat Unternehmen X eine Marktkapitalisierung von 100.000 €. Es erwirtschaftet einen Gewinn je Aktie von 1 €. Unternehmen X hat also ein KGV von 10.

Entscheidet sich Unternehmen X nun 1.000 Aktien zurückzukaufen, steigert sich der Gewinn je Aktie (ohne eine Steigerung der absoluten Gewinnsumme) auf 1,11 €. So sinkt das KGV sinkt auf 9. Die Marktkapitalisierung bleibt in diesem Beispiel zwar identisch, doch rein fundamental scheint das Unternehmen nach den Aktienrückkauf günstiger bewertet. Dieser Umstand sollte in Zukunft zu einer Kurssteigerung führen. Daran können dann Anleger profitieren. Soweit die Theorie. Doch ist es auch Realität?

Aktienkurs nur steigend aufgrund von Aktienrückkäufe? Selten trifft diese Situation ein…

Kein Garant für Kurssteigerungen

Ja, ein Aktienrückkauf ist keine Garantie für nachhaltige Steigerungen im Aktienkurs. Bestes Beispiel dafür ist wohl Exxon, der Ölkonzern der in großen Umfang Rückkäufe ausführte, die Aktie jedoch auf 5 Jahressicht eher seitwärts als nach oben verlief. Während im Dezember 2013 noch 4,41 Mio. Aktien im Umlauf sind, waren es im Dezember 2017 4,25 Mio. Seit dem Jahr 2000 gab man sogar über 160 Mrd. Dollar für Rückkäufe aus. Eine gute Entscheidung? Hinsichtlich des Kursverlaufs wohl kaum.

Dies entspricht etwa die Hälfte der derzeitigen Marktkapitalisierung. Wenn diese Summe als Dividenden ausgeschüttet worden wäre, hätte der Aktionär wohl deutlich mehr davon gehabt, so zumindest die ARD. Die ARD.Börse spricht von einem “dummen Boom bei Aktienrückkäufen“. In dem Artikel wird auch von General Electric gesprochen, die in den letzten Jahren ebenso viel Geld in den Kauf von eignen Aktien investiert haben. Der Kurs brach aufgrund bekannten Problemen jedoch trotzdem ein und das Geld für die Aktionäre scheint verloren.

Aktienrückkauf Sargnagel für Anlegergeld?

Was die ARD bei ihren Bericht jedoch vergisst ist, dass sowohl Exxon als auch General Electric auf eine lange Historie von Dividenden zurückblicken kann. Pro zurückgekaufter Aktie brauchten die Unternehmen also auch keine Dividende mehr ausgeschüttet werden bzw. die selbe Dividendensumme ergibt für Aktionäre eine höhere Dividende pro Aktie. Konzerne können also mit einem Aktienrückkauf Geld bei Dividendenausschüttungen einsparen bei gleicher Dividendenrendite für die Aktionäre. Rechnet man diese Tatsache hoch, können über Jahre massive Summen an Kapital eingespart werden. Alternativ kann mehr ausgeschüttet werden. Diesen Aspekt vergisst die ARD leider vollends. Vorausgesetzt ist allerdings, dass die zurückgekauften Aktien vernichtet werden und nicht für Optionsprogramme für das Management verwendet werden. Nur dann können Aktionäre von Vorteilen profitieren.

Aktienrückkauf sinnvoll oder Verschwendung
Aktienrückkauf sinnvoll oder Verschwendung?

Rückkäufe auch positiv

Warum die ARD für ihren Artikel nur zwei Negativbeispiele nannte ist fraglich. Es gibt genauso viele positive Fälle in denen der Kurs nachhaltig angewachsen ist. Allen voran Apple. Der IPhone Hersteller reduzierte seine Aktien im Umlauf von 6,5 Mrd. 2013 auf 5,2 Mrd. 2017. Der Trend setzt sich fort und Apple kündigte 2018 einen Aktienrückkauf von über 100 Milliarden Dollar an. Der Kurs kannte bekanntlich nur eine Richtung: nach oben. Apple stieg zum wertvollsten Unternehmen der Welt auf. Doch ob das nun aufgrund von Rückkäufen geschieht wäre eine wage Aussage. Auf jeden Fall profitiert Apple von reduzierten Aktien im Umlauf, da man nachhaltig Dividenden ausschütten will. Allein deshalb ist die Entscheidung seine Aktien zurückzukaufen, langfristig eine sinnvolle Entscheidung. Vorausgesetzt die finanzielle Lage des Unternehmens lässt es zu.

 

Was passiert mit den Aktien?

Die wichtigste Frage: Was geschieht mit den Aktien?

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Diese Frage ist die Wichtigste um zu beurteilen ob ein Aktienrückkauf sinnvoll oder Verschwendung ist. Bei Apple hatte sich die Anzahl von Aktien also tatsächlich enorm reduziert. Beim oben erwähnten Exxon jedoch auf Jahrzehnte gesehen nicht. Wenn man bedenkt, dass von Exxon im Jahre 2000 3,5 Mio. Aktien im Umlauf waren und 2017 4,25 Mio., stellt sich die Frage: Wo ist das Kapital für umfangreiche Rückkäufe gelandet?

Apple und Exxon unterscheiden sich in dieser Frage enorm. Während Apple die Aktien im Umlauf reduzierte und strich, wurden es bei Exxon über die Jahre sogar mehr, trotz Unmengen von Summen die in Aktienrückkäufe gesteckt wurden. Dies lag u. a. an Aktien Optionen, die die Vergütung des Managements aufbesserten. Dies geschieht auf Kosten der Aktionäre.

Rückkauf? Zu welchen Preis?

Eine andere wichtige Frage ist, zu welchen Preis die Aktien zurückgekauft werden. Warren Buffett traf einmal die Aussage, dass Aktienrückkäufe gut sind solange diese durchgeführt werden, wenn die Aktien des Unternehmens aktuell unter ihrem wahren Wert gehandelt werden. Rückkäufe können genauso ein Zeichen sein, dass das Management nicht mehr weis worin man investieren soll. Dies ist aktuell z. B. der Grund warum Berkshire Hathaway aktuell seine eigenen Aktien aufkauft. So werden ebenso Aktionäre beteiligt.

Am Sinnvollsten sind Aufkäufe daher, wenn das Unternehmen in vorübergehenden Schwierigkeiten steckt oder die Aktie grundlos niedrig bewertet ist. Zurück zu Apple. Apple nutzt die 100 Milliarden, weil es steuerliche Nachteile bedeuten würde, wenn man das Kapital weiterhin aufspart. Es gilt die Situation zu überprüfen.

Zurückgekaufte Aktien sollen gestrichen werden

Die Frage ob ein Aktienrückkauf sinnvoll oder Verschwendung ist, hängt massiv von der Antwort der Frage ab, ob die zurückgekauften Aktien gestrichen bzw. vernichtet werden. Werden diese jedoch für Optionsprogramme genutzt oder Kapitalerhöhungen durchgeführt, kann der Effekt von Rückkäufen nicht greifen und man kann nahezu von einer Handlung für das Management auf Kosten von Aktionären sprechen.

Eine pauschale Aussage, dass Rückkäufe von eigenen Aktien also grundsätzlich schlecht sind, ist schlicht falsch. Es kommt immer auf das Unternehmen an und was mit den Aktien gemacht wird.

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