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Keine Versicherung ist derartig umstritten wie die Berufsunfähigkeitsversicherung. Einige wollen nicht ohne sie und andere stempeln sie als schlicht zu teuer ab. Die Diskussion geht häufig in emotionale Richtungen, was für eine vernünftige Entscheidung nicht gerade förderlich ist. Deswegen im Folgenden eine Zusammenfassung über die bekannten Statistiken und die Wahrscheinlichkeit ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll oder reine Geldverschwendung ist. Wohlgemerkt ist dies keine Beratung oder Empfehlung und der Artikel soll Ihnen möglichst neutral, aus logischen Gesichtspunkten, die vorhandenen Daten zur Verfügung stellen, die sie bei der Entscheidung des Versicherungsabschlusses vielleicht unterstützen können. Denn wenn es nach Versicherungsberatern geht, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung selbstverständlich immer sinnvoll. Sie unterliegen auch einen Interessenskonflikt und wollen mit Ihnen Geld verdienen. Diese Pauschalaussagen ob sinnvoll oder nicht, sind wenig zielführend. Im vorhinein sei bereits gesagt, dass es die eindeutige Antwort nicht gibt, sondern es auf Ihre Situation ankommt. Was damit gemeint ist werden Sie im Folgenden lesen.

 

Wie viele Menschen werden Berufsunfähig?

Das ist wohl die wichtigste Frage, die stellt wenn man aus statistischer Hinsicht bewerten will ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist oder nicht. Die aktuellsten Daten dazu sind leider bereits etwas veraltet. Nämlich aus 2007. Doch man kann davon ausgehen, dass sich die Raten durch die Digitalisierung und die daraus resultierende physisch leichtere Arbeit, eher verkleinert als vergrößert haben. Doch da dies lediglich Vermutungen sind wollen wir die Daten aus dem Jahre 2007 aufgreifen. Diese stellt statista.de zur Verfügung. Wie man unschwer erkennen kann ist im Bereich der 51-55 Jahre und 56-60 Jahre knapp mehr als ein Viertel der Menschen in Deutschland berufsunfähig gemeldet gewesen.

Statistik: Verteilung von Berufsunfähigen in Deutschland nach Alter im Jahr 2007 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Für manche mag diese Rate im höheren Alter bereits ein Alarmsignal sein. Genau deshalb nutzen auch Versicherungsvertriebe diese Häufigkeit gern als Werbemittel für ihre Berufsunfähigkeitsversicherung. Doch zum Urteil ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist oder nicht sollte diese Statistik genauer unter die Lupe genommen und vor allem dessen Entstehung genauer analysiert werden.

Zuerst einmal noch die Grafik in absoluten Zahlen des Bevölkerungsstamms des Bundesinstituts. Uns liegen lediglich die Daten aus 2017 vor und wir werden diese mit den prozentualen Angaben der oberen Grafik verrechnen. Der Bevölkerungsstamm hat sich zwar seitdem eher nach oben verschoben doch für unseren Zweck sind die Daten ausreichend jedoch lediglich als Näherung zu sehen.

Anzahl in Mio. MenschenBerufsunfähig in Mio.
20-35 Jahre16,20,9
36-45 Jahre9,91,5
46-50 Jahre6,31,6
51-55 Jahre6,91,8
56-60 Jahre6,11,6
Über 60 Jahre21,91,3

Von 45,4  Millionen(gerundet und ohne die über 60 Jahre Daten) Menschen sind also 7,4 Millionen(gerundet) Menschen berufsunfähig gewesen, entsprechend 16,3 Prozent.

 

Wer wird berufsunfähig?

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Die zweite wichtige Frage ist deshalb wie die hohen Raten zu Stande kommen. Wer wird in Deutschland berufsunfähig? Hier gibt es je nach Berufsbild extrem gefährdete Gruppierungen. Folgende Statistik stammt von Wikipedia.org:

RangBerufNeuzugänge RentenAnteil der ErwerbsunfähigkeitsrentenSchätzung in absoluter Anzahl
1Dachdecker102152,4 %52.400
2Krankenpfleger797241,3 %312.400
3Schlachter134840,0 %60.000
4Tiefbauer126638,1 %70.500
5Maurer544937,7 %37.700
6Maler316737,4 %150.000
7Sozialarbeiter866836,4 %364.000
8Bauhilfsarb.722836,0 %180.000
9Hilfsarbeiter1802736,0 %440.000
10Betonbauer146435,4 %53.000

Hier wird bereits deutlich warum jemand aus diesen Berufsgruppen entsprechende “Risikoaufschläge” der Versicherung abtreten muss. Während Dachdecker ein eher selten ausgeübter Beruf ist (etwa 100.000), liegen wir beim Berufsbild Krankenpfleger bereits nahe der 1 Mio. Arbeitenden Grenze. Siehe Statista. Teilweise liegen zu den anderen Berufen leider keine weiteren Daten vor. Doch durch die Neuzugänge Renten (auf Jahressicht) lässt sich in etwa die Häufigkeit der Ausführung des Berufs ableiten. Hierbei sticht der Beruf Hilfsarbeiter als erstes ins Auge und man kann davon ausgehen, dass man sich ebenso im Millionenbereich bewegt. Das Gleiche gilt für den Sozialarbeiter. Zu kleineren Berufsbildern wie den Maurer bietet Statista Daten an, welche wir in die Schätzungsspalte einrechnen. So errechnet sich eine allein durch die Addition der 10 am meist gefährdeten Berufsbilder eine Anzahl von 1,82 Millionen. Was von den Gesamt 7,4 Millionen bereits einen Anteil von knapp 25 Prozent entspricht. Ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist bei den angesprochenen Berufsbildern ist kaum diskussionswürdig. Die Antwort würde ja lauten. Das Problem ist jedoch, dass die Versicherungsgesellschaften ebenso wissen was Sache ist und die Berufsgruppen entsprechend teurere Verträge anbieten.

 

Welche Ursachen hat die Berufsunfähigkeit?

Genauso wichtig für das Urteil ist die Frage welche Ursachen die Berufsunfähigkeit hat. Auch hier möchten wir zuerst mit einer Statistik von Wikipedia bzw. Morgen & Morgen beginnen:

Ursache20142008
psychische Erkrankungen31,55 %20,06 %
Erkrankung des Bewegungsapparats21,17 %27,00 %
Krebserkrankungen15,00 %15,40 %
Unfälle9,41 %11,30 %
Herz-Kreislauf-Erkrankungen7,76 %15,60 %
Sonstige Krankheiten15,11 %11,20 %

Es fällt schnell auf, dass psychische Erkrankungen enorm zunehmen. Das Risiko von Erkrankung um Bewegungsapparat, sowie Unfälle können zum Teil selbst beeinflusst werden. So trägt ein hobbymäßiger Extremsportler beispielsweise ein höheres Unfallrisiko als gewöhnliche Sportler. Genauso kann mit entsprechenden Sport und Ernährung die Gesundheit des Körper gefördert werden. Da dieser Fall höchst individuell ist, macht eine Verallgemeinerung wenig Sinn. Was dabei wichtig ist: Umso größer die Gefahren, die man sich im Privatleben aussetzt, umso mehr spricht dafür, dass eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist. Für den gegenteiligen Fall gilt dies selbstverständlich ebenso. Ernähren Sie sich gesund und haben allgemein einen wenig risikoreichen Lebensstil, dann reduzieren Sie ihr Risiko berufsunfähig zu werden deutlich.

Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll oder nicht?

Die ewige Frage: Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll oder nicht?

 

Die 3 Arten der Versicherungsnehmer

Es gibt aus rationaler statistischer Sicht grundsätzlich drei Arten von Versicherungsnehmern:

  1. Person A fühlt sich sehr gesund, weil sie selten krank ist und schließt daher rein aus persönlichen Empfinden die Versicherung ab, obwohl er die eingezahlten Beträge wohl niemals wieder sehen wird. A macht ein Verlustgeschäft.
  2. Person B ist öfters krank und führt gefährlichere Sportarten durch. In diesem Fall wären in der Theorie die eingezahlten Beträge gleich den Beträgen die er erhält, wenn die Versicherung ausbezahlt wird. In diesem Fall kann B eine Versicherung abschließen oder nicht. Es bleibt in Summe egal.
  3. Person C weiß, dass sie öfters Schwindelanfälle hat und allgemein in einen schlechten gesundheitlichen Zustand ist. Hat sich jedoch noch von keinen Arzt untersuchen lassen. Sie schließt die Versicherung ab in den Wissen, dass die Versicherung mit hoher Wahrscheinlichkeit ein profitables Geschäft für sie werden wird.

Dieses vereinfachte Modell gründet in der logischen Denkweise der Menschen. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Wette gegen den eigenen Körper. Doch der Informationsvorteil liegt beim Versicherungsnehmer. Person C kann sich beispielsweise nahezu sicher sein ein gutes Geschäft mit den Versicherungsabschluss zu machen, da C von den Informationsvorteil bei ihr liegt. Diese Personen wollen Versicherungen möglichst vermeiden und versuchen mit entsprechenden Gesundheitsfragen dem entgegenzuwirken.

 

Variable ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist

Risiko oder Kosten – Nichts anderes ist die Entscheidung ob eine Versicherung notwendig ist.

Das oben genannte Modell funktioniert jedoch lediglich nur so lange, wie man es selbst abschätzen kann. Unfälle, psychische Erkrankungen oder gar Krebs können nicht zuverlässig vorher gesagt werden. Es gibt also immer die unbekannte Variable. Deshalb bleibt bei der Frage ob eine Berufsunfähigkeitsversicherung sinnvoll ist keine klare Antwort am Ende stehen. Gehören Sie nicht den gefährdeten Berufsgruppen an und haben auch sonst niemals körperliche Probleme gehabt, reduziert sich Ihr Risiko berufsunfähig zu werden deutlich. Eine Berufsunfähigkeitsversicherung wäre in dem Fall nur aus subjektiven Empfinden rational.

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Weil eben viele Menschen in genau dieser Situation sind, ist diese Diskussion häufig von Meinungen statt Fakten geprägt. Im deutschen ist der Sicherheitsgedanke hoch angesiedelt. Doch trotzdem haben laut der Umfrage vom Versicherungsboten nur 22 Prozent eine Berufsunfähigkeitsversicherung abgeschlossen. Die Gründe dafür werden hauptsächlich auf die Kosten und die Desinteresse zurückgeführt.

Ob die Rate von 22 Prozent angesichts der tatsächlich eintreffenden Berufsunfähigkeit bei rund 16,3 Prozent nun ein hoher oder niedriger Wert ist, darüber wollen wir an dieser Stelle nicht urteilen. Wir hoffen Sie haben in diesem Artikel ausreichend Input mitnehmen können um die Frage der Sinnhaftigkeit der Berufsunfähigkeitsversicherung ausreichend beantworten zu können. Denn schlussendlich bleibt es an Ihnen…

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