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Die Lufthansa und TUI sind die deutschen Beispiele, die unter der aktuellen Krise ihre komplette Geschäftsgrundlage von heute auf morgen verloren haben. Während sich an der Lufthansa der Staat beteiligt, scheint TUI den Turnaround mit “nur” einen 1,8 Milliarden Euro Kredit der KfW zu erreichen. Eine TUI Insolvenz ist zum jetzigen Zeitpunkt bereits unwahrscheinlich. Unterstrichen wird das von dem Halbjahresbericht der am 13. Mai veröffentlicht wurde. Anhand diesen kann abgeschätzt werden, wie es um den größten europäischen Reisekonzern steht. Der Aktienkurs zeigt zumindest kaum Optimismus. Auf der anderen Seite stehen noch die Großanleger, wie der Travco Chef, der sich vor kurzem noch einige Prozente von TUI einverleibte. Doch nun zur Lage von TUI und wie es um den potentiellen Turnaround steht.

 

Gewaltige Kostensenkungen

Der komplette Stopp aller operativen Tätigkeiten hatte zur Folge, dass TUI laut eigener Aussage die Kosten um rund 70 Prozent senken konnte. Kurzarbeit, oder ähnliche Regelungen in anderen Ländern sorgten dafür, dass die Personalkosten kurzfristig enorm gesenkt werden konnten. Im Vergleich zum Vorjahr hat der Konzern sogar bereits über 7.000 Stellen abgebaut. Weitere 8.000 sollen folgen, wenn das Reisen nicht bald ermöglicht werden wird. Ob das als gewisse Drohung an die Politik angesehen werden kann, sei erst einmal egal. Wichtig für TUI ist, dass die Kosten (zum Leid vieler Mitarbeiter) auf ein Minimum reduziert wurden. Genauer gesagt ist die Rede von monatlichen Kosten von 250 bis 300 Millionen Euro. Im Vergleich zu den Vorjahren sind diese Kosten lächerlich gering und gibt TUI für einige Monate Luft.

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Desweiteren verschiebt man Investitionen soweit möglich in die Zukunft. Für 2020 schätzt man sie auf 440 Millionen €.

Bevor der Stopp allerdings eintrat mussten Unmengen von Menschen zurück in ihre Heimat gebracht werden, was im März für zusätzliche Kosten in dreistelliger Millionenhöhe sorgte. Auch das Öl Hedging sorgte in Kombination mit den eingebrochenen Ölpreis für zusätzliche Verluste von 146 Millionen Euro. Die 737 Max Kosten mit 6 Millionen Euro sind dagegen aktuell eher nebensächlich. Alles in allem war das erste halbe Geschäftsjahr unvergleichbar schlecht, was aber aufgrund der Situation auch zu erwarten war.

TUIs Geschäft wurde kurzerhand politisch komplett lahm gelegt.

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Mittelabflüsse von Kunden

Ein weiter umstrittener Punkt ist der Mittelabfluss von Kundengeldern. Denn Kunden haben laut dem Gesetz weiterhin den Anspruch ab die Auszahlung ihres Geldes statt eines Gutscheins. So zumindest in Deutschland bisher. In anderen Ländern liebäugelt man weiterhin mit Gutscheinlösungen. Doch ob sich diese tatsächlich durchsetzen werden bleibt fraglich. Es würde jedoch jedoch eine TUI Insolvenz deutlich unwahrscheinlicher machen. TUI rechnet immerhin mit einem monatlichen Mittelabfluss im niedrigen bis mittleren dreistelligen Millionenbereich. Setzen wir also 150 bis 250 Millionen Euro monatlich an.

Den Bericht gibt es hier zu lesen.

 

Wann kommt die TUI Insolvenz?

Die Liquidität gibt man zum 10. Mai mit 2,1 Milliarden Euro an. Gefördert wird diese von der Hapag Lloyd Transaktion, die für einen Mittelzufluss von 700 Millionen Euro sorgen soll. Zur Not gibt man bereits an Vermögenswerte zu verkaufen. Nehmen wir an die Hapag Lloyd Transaktion führt zu den erwarteten Zufluss, dann hätte TUI für die nächsten Monate eine Liquidität von 2,8 Milliarden Euro. Nun die Kosten bzw. Mittelabflüsse:

  • 440 Millionen Euro für nicht verschiebbare Investitionen, also rechnerisch für das Geschäftsjahr 2020 73 Millionen monatlich.
  • 250 bis 300 Millionen Euro monatlich an Kosten.
  • 150 bis 250 Millionen Euro an Mittelabfluss von Kunden

Unterm Strich ergibt sich dadurch eine Belastung pro Monat von 473 bis 623 Millionen Euro. Im schlechtesten Fall wird es also in 4,5 Monaten eng für TUI. Das wäre Mitte September. Allerdings ist der Mittelabfluss von Kunden wohl sehr pessimistisch kalkuliert und erneute Buchungen für die nächste Zeit völlig unberücksichtigt. Für TUI besteht in einigen Ländern auch weiterhin die Hoffnung, dass es zu anderen Lösungen als Auszahlungen kommen kann. Doch sicher scheint, dass in den nächsten Monaten eine TUI Insolvenz nahezu ausgeschlossen ist. Wichtig ist nur, dass die Hapag Lloyd Transaktion abgeschlossen wird. Sie sorgt für knapp 2 Monate Spielraum im aktuellen Umfeld.

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Aussichten… positiver geht kaum

In den Monaten vor der Krise war TUI wohl weiter von einer Insolvenz entfernt als jemals zuvor, zumindest wenn es nach den Buchungen geht. Monat für Monat schrieb man Rekordzahlen. Auch aktuell betont CEO Joussen, dass die Reiselust weiterhin besteht und man mit einem gewissen Nachholeffekt rechnet. Für die Hotels und den Flugbetrieb richtet man sich bereits mit gewissen Regeln für einen der Krise gerechten Betrieb ein. Es hängt also an den Ländern, wann sie das Reisen wieder ermöglichen und wie gut TUI durch die Krise kommen wird. Aktuell scheint die Lage noch im Griff zu sein, in ein paar Monaten bereits kann sich das Blatt allerdings drehen. Die Aktie hingegen spiegelt die Unsicherheit und gewissen Pessimismus wieder. Es hängt eben nicht an TUI wieder zu starten sondern lediglich an der Politik. Eine Situation die den Anlegern wohl kaum gefällt. Sollten die Vermutungen, dass es ab 15. Juni wieder los geht, korrekt sein, wird TUI es mit Leichtigkeit schaffen und in Zukunft zu einem wohl noch wichtigeren Reiseanbieter als ohnehin schon aufsteigen, auch wenn die stark gestiegenen Schulden sich erst einmal auf das Geschäft negativ auswirken werden. Hier winkt eine Chance mit einem hohen politischen Risiko…

 

 

Der Verfasser hält genannte Anlageprodukte.

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