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Das Konjunkturpaket im Zuge der Krise ist nun beschlossene Sache. Keine Auto-Kaufprämie oder Abwrackprämie 2.0 sollen der Wirtschaft auf die Sprünge helfen sondern hauptsächlich fünf neu kreierte Maßnahmen: Senkung der Mehrwertsteuer, Kinderbonus, mehr Überbrückungskredite, geringere Stromkosten durch geringere EEG Umlage und Förderung von Kommunen. Die wohl wichtigste Maßnahme ist die vorübergehende Senkung der Mehrwertsteuer, doch welchen Effekt wird sie haben? Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen und auch wir wollen den Hoffnungsträger der deutschen Wirtschaft unter die Lupe nehmen. Denn schlussendlich zahlen wir den Preis für die vier Maßnahmen, dessen Auswirkungen auf die Beliebtheit der Regierungsparteien und dadurch auch bei der kommenden Bundestagswahl 2021 eine entscheidende Rolle spielen dürfte. Nun zu der ab Juli geltenden Mehrwertsteuersenkung auf 16 %:

 

Der Gedanke

Es ist offensichtlich was man mit der Maßnahme Nummer Eins im Konjunkturpaket erreichen will, eine Nachfragesteigerung. Preise sollen durch die befristete Senkung von Juli bis Dezember 2020 von 19 auf 16 % bzw. 7 auf 5% niedriger werden und so Bürger animiert werden mehr einzukaufen. So zumindest das offizielle Statement der Regierung. In der Theorie würden Verbraucher so, die Wirtschaft in Deutschland ankurbeln, doch der Gedanke hinkt gewaltig…

Keine Autokaufprämie, aber eine Förderung der alternativen Antriebe bleibt.

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Keine Autokaufprämie, aber eine Förderung der alternativen Antriebe bleibt.

Nachfragesteigerung wegen 3 %?

Angenommen alle Unternehmen würden anständig der Forderung von Frau Merkel folgen und ihre Preise entsprechend anpassen. So ergibt sich folgende Situation:

  • Bei alltäglichen Produkten würde der Effekt nahezu verpuffen. Produkte, die vorher 99,99 € kosteten würden anschließend rund 97,5 € kosten. Deswegen wird wohl kaum jemand in Freudenjubel ausbrechen und in einen “Kaufrausch” verfallen.
  • Bei größeren Anschaffungen kann die Senkung allerdings durchaus attraktiv(er) sein. Man nehme Anschaffungen, die bei einigen bereits geplant sind wie z. B. eine neue Küche oder ein neues Auto. Hier wäre die Senkung deutlicher wahrnehmbar. So würde man bei einer Küche für 20.000 € immerhin ca. 500 € sparen.
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Da sich die nebensächlichen drei Prozent der Senkung kaum auf Preise der alltäglichen Dinge auswirken, wird also wohl kaum spürbar mehr verkauft werden als vorher. Bei Großanschaffungen dagegen werden Deutsche also durchaus einen gewissen Anreiz haben, ihre Anschaffung “vorzuverlegen”. Das Entscheidende wird sein, ob die Stimmung der Bevölkerung es zulässt, dass in derartig unsicheren Zeiten solche Anschaffungen getätigt werden. Sicher scheint es nicht.

 

Das Problem

Das Problem ist offensichtlich, Unternehmen müssen zum Erfolg für das Konjunkturpaket der Regierung bei ihren Preisen reagieren. Doch genau das wird vor allem bei alltäglichen Produkten aller Voraussicht nach nicht passieren. Produkte, die vorher 9,99 € kosten, werden anschließend kaum auf 9,74 € reduziert werden. Das führt in Masse dazu, dass es zu einen Gewinnturbo für Unternehmen werden wird. Es erhöht lediglich die Gewinnmarge von Konzernen. Der Erfolg des Paketes wird in erster Linie von den Anbietern für Großanschaffungen abhängen, die weniger von psychologischen Preismarken abhängig sind. Darunter auch die Automobilbranche, die auffällig ruhig das Paket hingenommen hat. Und das mit guten Grund…

Die Reaktion der Industrie

Die Automobilkonzerne reagierten bereits...

Die Automobilkonzerne reagierten bereits…

Bei Anschaffungen über einer gewissen Summe ist ein Rabatt von 3 % durchaus ansehnlich. So zumindest auch oft bei Automobile. Wer glaubt, dass die deutschen Autobauer nun ihre Preise senken werden wird wohl Recht behalten. Die Angebote werden wohl besser werden. Wer jetzt skeptisch diese Zeilen liest, wird wohl denken, dass es so einfach nicht sein kann. Natürlich nicht! Die Preise werden gesenkt und das völlig problemlos, da sie bereits im vorhinein im April, mitten in der Krise, erhöht wurden, wie die WN korrekt berichtet. Das zieht sich durch alle größeren Automobilhersteller. Im Schnitt wurden die Preise um 2 % erhöht. VW nennt den Preisanstieg beispielsweise Inflationspreisanhebung.

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Beobachter kritsieren bereits, dass die Automobilbranche die Preise bereits anhob, da man fest mit einer Förderung rechnete. Was an dieser Aussage dran ist, scheint nebensächlich. In der Praxis werden sich die Preise für Automobile auf Niveau des Vorjahres bewegen, also die jüngsten Preissteigerungen durch die Mehrwertsteuersenkung wieder ausgeglichen. Was bleibt ist eine höhere Gewinnmarge für die Konzerne. Wie es in den anderen Branchen, die hochpreisige Güter anbieten, aussieht, gilt es noch abzuwarten.

 

 

Das Konjunkturpaket und das Plus für Unternehmen

Das Konjunkturpaket: In erster Linie ein kleiner Gewinnturbo für Konzerne

Das Konjunkturpaket: In erster Linie ein kleiner Gewinnturbo für Konzerne

Aller Voraussicht nach wird das Konjunkturpaket in erster Linie den Gewinnen von Unternehmen einen kleinen Schub zugestehen. Vor allem, die Konzerne, deren Produktpreise an psychologische Marken geknüpft sind, werden ihre Preise wohl kaum an den Konsumenten weitergegeben. Es bleibt ein Appell die Senkung nicht “auszunutzen”. Doch genau das wird mit höchster Wahrscheinlichkeit eintreten. Sollte eine Preisreduzierung tatsächlich eintreten, wird sie wieder aufgehoben, wenn die Nachfrage tatsächlich wieder ansteigt. Das Angebot/Nachfrageprinzip regelt die Märkte stärker als eine Drei-Prozent-Steuersenkung. Die Mehrwertsteuersenkung wird die Nachfrage nur wenig anregen, die Konzerne allerdings etwas mehr Gewinn erwirtschaften. Auch trägt die vorübergehende Maßnahme nicht zu einer höheren Investitionsfreudigkeit bei, da sie nicht von Dauer sondern mit sechs Monaten extrem kurzfristig orientiert ist. Der US-Präsident hat gezeigt, was eine länger andauernde Unternehmenssteuersenkung an Investitionssteigerungen auslösen kann. Dieser Effekt fehlt hier komplett…

Alles in Allem ist es ein sehr teures Konjunkturprogramm mit sehr kurzfristigen und zweifelhaften Nutzen.

Was allerdings das Paket noch auslösen könnte und soll ist ein psychologischer Umschwung, der tatsächlich größer wäre als der direkte Effekt der Maßnahme. Ganz nach Schäubles Worte:

Manchmal ist die Fantasie des Steuerzahlers größer als die Regelungskraft des Gesetzgebers.

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