Kurs Gewinn Verhältnis KGV

Eine der beliebtesten Kennzahlen ist das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis. Kurz KGV. Es wird dadurch berechnet, wenn man den aktuellen Börsenkurs durch den Gewinn je Aktie teilt.  Es sagt also aus mit welchem Vielfachem des Gewinnes eine Aktie bewertet ist. Ein Unternehmen muss Gewinne erzielen. Konzerne, die nur Verluste verbuchen, können auf Dauer nicht existieren. Die Unternehmensgründer und Aktionäre werden mit Gewinnen dafür entlohnt, dass wir unser investiertes Geld einem finanziellen Risiko ausgesetzt haben.

Beispiel:

Hat beispielsweise Unternehmen X einen Aktienkurs von 100 € und erzielt einen Jährlichen Gewinn je Aktie von 5 €, errechnet sich das KGV  bzw. Kurs Gewinn Verhältnis wenn man die 100 € durch die 5 € teilt. Also ein KGV von 20. Das Unternehmen X würde also 20 Jahre brauchen bis es die aktuelle Bewertung, rein aus Gewinnen, erwirtschaftet hat.

Umso niedriger umso besser. Umso niedriger das KGV ist, umso weniger hoch ist das Unternehmen hinsichtlich ihres Gewinnes an der Börse bewertet. Es kann jedoch nicht negativ sein. In der Regel kann man konservative Unternehmen hinsichtlich des KGVs folgender Maßen einstufen:

KGV < 15 = günstig bis sehr günstig

KGV 15-25 = moderat bewertet

KGV > 25 = teuer bis exorbitant teuer

Diese Einstufung sind nur Richtwerte. Besonders aussichtsreiche Trendaktien oder wachstumsstarke Aktien besitzen meist ein enorm hohes KGV, da Wachstum in dem Aktienkurs hinein impliziert wird und zu deutlich teureren Kursen führt. KGVs um 80 sind in derartigen Bereichen keine Seltenheit. In solchen Fällen müssten sie theoretisch 80 Jahre warten bis das Unternehmen ihren Einsatz erwirtschaftet hat. Unsere Value Strategie schließt solch optimistisch bewertete Unternehmen aus. Schließlich haben wir kein ewiges Leben. Wohlgemerkt bezieht sich das KGV auf den Gewinn nach Steuern und Abschreibungen.

Unternehmenskennzahlvergleiche bezüglich des KGVs sind nur sinnvoll, wenn alle Unternehmen auch Gewinne verbuchen.

Kurs Gewinn Verhältnis KGV
Das Kurs Gewinn Verhältnis KGV sollte möglichst niedrig, aber nicht negativ, sein.

Das Problem mit dem Kurs Gewinn Verhältnis KGV

Hier kommen wir bereits zum Problem: Das KGV zeigt die aktuelle Ertragslage im Verhältnis zum Kurs, nicht die Zukünftige. Es sei den man rechnet mit Prognosen, was immer etwas wage ist. Es gilt sich also zusätzlich den Verlauf der Gewinnentwicklung der letzten Jahre anzusehen. Auch das ist kein großer Aufwand. Ein Finanzportal Ihrer Wahl bietet ihnen für gewöhnlich eine Übersicht der Entwicklung des Gewinnes je Aktie über die letzten Jahre. Anschließend gilt es festzustellen ob ein Trend besteht und die Gewinne wachsen bzw. zurück gehen. Eine stabile Gewinnentwicklung ist zwar kein Garant für die Zukunft, jedoch ein Anzeichen, dass das Unternehmen in einem wachsenden Geschäft operiert und uns damit weitere Gewinne bescheren kann.

Gut ist der Geruch des Gewinns, mag er stammen woher auch immer.

  • Demcimus luvenlis, römischer Satiriker

Genauso kann der Gewinn durch Sondereffekte z. B. einen Immobilienverkauf leicht beeinflusst werden. Deswegen ist dringend der Blick auf die Gewinnentwicklung notwendig. Ein stark wachsender Gewinntrend und ein niedriges KGV wären de Facto der Idealfall. Meistens hat ein niedriges KGV jedoch Gründe. Anlässe für ein niedriges KGV sind häufig schlechte News, Umsatzeinbrüche, unattraktive Branche (wie Brauerei), überraschend schlechte Geschäftszahlen, usw. Unsere Aufgabe ist es in Kombination mit den anderen Kennzahlen festzustellen ob uns ein niedriges KGV ein interessantes Investment offenbart oder man tatsächlich auf eine Verliereraktie getroffen ist. Sollten das KGV in manchen Jahren negativ gewesen sein, weil das Unternehmen Verluste auswies, ist nachzuforschen warum. 2017 wird z. B. bei vielen Unternehmen aus den USA relativ schwach gewesen sein oder zu Verlusten geführt haben, durch die Steuerreform, die zu Einmalzahlungen führten.

Verlustjahre, die nicht durch das Unternehmen selbst verschuldet waren, sind zu vernachlässigen. Auch größere Expansionskurse oder Übernahmen können in manchen Jahren zu negativen Ergebnissen führen. Haben diese einen nachhaltigen Zweck und durchdacht, kann man auch auf derartige Jahre hinwegsehen. Jahre bei denen Verluste durch das operative Geschäft selbst verursacht wurden, sind skeptisch zu betrachten und nachzuhaken, wo die Probleme lagen und ob derartige Situationen erneut eintreffen könnten.

Umso niedriger das KGV, desto höher ist der Gewinn im Verhältnis zum Aktienkurs und zeigt ob Unternehmen hinsichtlich seines Gewinnes günstig oder teuer bewertet ist.

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